Geld von Familie oder Freunden leihen kann eine sinnvolle Option sein – wenn Sie es richtig machen. Unser Ratgeber erklärt Vertrag, Steuern und rechtliche Fallstricke.
Nicht jeder erhält einen Bankkredit – sei es wegen unzureichender Bonität, fehlender Einkommensnachweise oder weil die benötigte Summe für einen Bankkredit zu klein ist. In solchen Situationen kann ein Privatdarlehen von Familie oder Freunden eine sinnvolle Alternative sein. Diese Form der Finanzierung ist in Österreich weit verbreitet und vollkommen legal.
Allerdings birgt das Leihen von Geld im privaten Umfeld auch Risiken: Geld und Freundschaft sind eine heikle Kombination. Unklare Absprachen, unterschiedliche Erwartungen oder Zahlungsschwierigkeiten können Beziehungen nachhaltig beschädigen. Dieser umfassende Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie ein Privatdarlehen rechtlich korrekt gestalten, welche steuerlichen Aspekte zu beachten sind und wie Sie typische Fallstricke vermeiden.
Ein Privatdarlehen ist ein Darlehensvertrag zwischen zwei Privatpersonen – also ohne Beteiligung einer Bank oder eines gewerblichen Kreditgebers. Der Darlehensgeber stellt dem Darlehensnehmer einen bestimmten Geldbetrag zur Verfügung, den dieser nach vereinbarten Konditionen zurückzahlt. Rechtlich handelt es sich um einen normalen zivilrechtlichen Vertrag nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB).
Im Gegensatz zum Bankkredit gibt es beim Privatdarlehen keine standardisierten Konditionen oder gesetzliche Formvorschriften. Die Parteien können Zinssatz, Laufzeit und Rückzahlungsmodalitäten frei vereinbaren – oder auf Zinsen ganz verzichten.
| Kriterium | Privatdarlehen | Bankkredit |
|---|---|---|
| Bonitätsprüfung | ✓ Keine (Vertrauensbasis) | ✗ Ja, KSV-Abfrage |
| Zinsen | ✓ Frei verhandelbar, oft 0% | Marktüblich, bonitätsabhängig |
| Flexibilität | ✓ Sehr hoch | Standardisierte Verträge |
| Rechtssicherheit | Abhängig vom Vertrag | ✓ Hoch, gesetzlich geregelt |
| Beziehungsrisiko | ✗ Ja, kann belasten | ✓ Nein |
| Verfügbarkeit | Abhängig vom Umfeld | ✓ Bei Bonität gegeben |
Ein Privatdarlehen kann in verschiedenen Situationen die beste Lösung sein:
Leihen Sie sich nur Geld, das Sie realistisch zurückzahlen können. Ein Zahlungsausfall belastet nicht nur Sie finanziell, sondern kann auch wertvolle Beziehungen zerstören. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und Ihrem Geldgeber.
Auch wenn ein mündlicher Vertrag rechtlich gültig wäre – ein schriftlicher Darlehensvertrag ist bei Privatdarlehen unverzichtbar. Er schützt beide Seiten vor Missverständnissen und dient im Streitfall als Beweis. Ohne schriftlichen Vertrag kann im Ernstfall niemand beweisen, ob es sich um ein Darlehen oder eine Schenkung handelte.
Zahlen Sie das Darlehen per Überweisung aus und vermerken Sie im Verwendungszweck "Darlehen gemäß Vertrag vom [Datum]". Der Kontoauszug dient als zusätzlicher Beweis für die Geldübergabe.
Auch wenn es sich um ein privates Geschäft handelt, hat das Finanzamt ein Auge darauf. Folgende steuerliche Aspekte sollten Sie kennen:
Wer Geld verleiht, geht Risiken ein. Diese sollten Sie kennen, bevor Sie jemandem Geld leihen:
Auch für den Geldnehmer gibt es Risiken, die oft unterschätzt werden:
Wenn Sie niemanden im persönlichen Umfeld haben, der Ihnen Geld leihen kann, gibt es weitere Optionen:
Die Frage nach Geld ist für viele unangenehm. Diese Tipps helfen beim Gespräch:
Die meisten Schwierigkeiten bei Privatdarlehen entstehen bei der Rückzahlung. Mit diesen Strategien beugen Sie Problemen vor:
Nicht jede Situation ist Standard. Hier einige Sonderfälle und wie Sie damit umgehen:
Bevor Sie ein Privatdarlehen aufnehmen oder vergeben, gehen Sie diese Punkte durch:
Ein Privatdarlehen kann eine gute Alternative zum Bankkredit sein – besonders wenn Ihre Bonität nicht ausreicht oder Sie flexible Konditionen brauchen. Der Schlüssel zum Erfolg ist ein klarer, schriftlicher Vertrag und offene Kommunikation. Leihen Sie sich nur Geld, das Sie realistisch zurückzahlen können, und seien Sie sich der Risiken für die Beziehung bewusst. Wenn ein Bankkredit möglich ist, kann dieser die unkompliziertere Option sein.
Ja, Privatdarlehen zwischen Privatpersonen sind in Österreich vollkommen legal. Es handelt sich um einen normalen zivilrechtlichen Vertrag. Wichtig ist, dass der Geldgeber nicht gewerbsmäßig Kredite vergibt, da dies eine Banklizenz erfordern würde. Gelegentliche Darlehen an Familie oder Freunde sind jedoch problemlos möglich.
Rechtlich ist ein mündlicher Vertrag gültig, jedoch dringend abzuraten. Ein schriftlicher Darlehensvertrag schützt beide Seiten vor Missverständnissen und ist im Streitfall als Beweis unverzichtbar. Der Vertrag sollte Darlehenssumme, Zinssatz, Rückzahlungsmodalitäten und Laufzeit enthalten.
Nein, Zinsen sind bei Privatdarlehen nicht verpflichtend. Viele Darlehen unter Familienmitgliedern sind zinslos. Werden jedoch Zinsen vereinbart, muss der Darlehensgeber diese als Kapitaleinkünfte mit 27,5% KESt versteuern.
Bei einem Darlehen wird das Geld zurückgezahlt, bei einer Schenkung nicht. Ein zinsloses Darlehen ohne echte Rückzahlungsabsicht kann vom Finanzamt als verdeckte Schenkung gewertet werden. Schenkungen über 50.000 Euro (bei Verwandten) bzw. 15.000 Euro (bei Nicht-Verwandten) innerhalb von 5 Jahren sind meldepflichtig.
Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Darlehensgeber über Zahlungsschwierigkeiten. Gemeinsam können Sie eine Lösung finden – etwa eine Stundung oder niedrigere Raten. Ohne Kommunikation riskieren Sie nicht nur die Beziehung, sondern im schlimmsten Fall auch rechtliche Schritte.
Als Darlehensnehmer können Sie die Zinsen in der Regel nicht absetzen, es sei denn, das Darlehen dient einer vermieteten Immobilie oder betrieblichen Zwecken. Der Darlehensgeber muss erhaltene Zinsen als Kapitaleinkünfte versteuern.
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